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Grabschändungen nehmen zu

Mehr Buchsbäume und Sträucher auf Friedhöfen gestohlen – Ein-Euro-Jobber dämmen Vandalismus ein

Grabschänder haben diese Grabplatte auf dem historischen Hasefriedhof offenbar mit Steinen eingeschmissen. Ein-Euro-Jobber dürfen diese Schäden jedoch nicht beheben.Foto: Jörn Martens

Die Ein-Euro-JobberDieter Woycichowski (l.) und Stefan Boas wechseln Fenster auf dem Hasefriedhof aus. Foto: Martens

Graffitiauf einem ehemaligen Verwaltergebäude des Johannisfriedhofs.Foto: OSB

Schmierereien auf dem Johannisfriedhof. Foto: OSB

Osnabrück. Immer mehr Buchsbäume und Sträucher werden auf den Friedhöfen geklaut, wie Osnabrücker Friedhofsverwalter berichten. Die Diebe kommen mit Spaten auf die Friedhöfe, um die Formgehölze an den Gräbern auszugraben. Auch Metall steht bei den Dieben hoch im Kurs. So werden  immer wieder Grablaternen abgesägt. Zudem bereiten Graffitisprayer den Friedhofsverwaltern Ärger. Auf den historischen Friedhöfen dämmen Ein-Euro-Jobber den Vandalismus ein.

Auf den elf aktiven Friedhöfen und auf den beiden historischen Friedhöfen gilt die Faustformel: „Je mehr Leben, desto weniger wird geklaut.“ Das ist der Grund, warum die Grabschändungen auf aktiven Friedhöfen zunehmen und auf den historischen Friedhöfen abnehmen. Denn 2009 wurde das Projekt der Osnabrücker ServiceBetriebe (OSB) „Historisches Bewahren“ initiiert. Der OSB griff dabei unter anderem auf die Hilfe der Ein-Euro-Jobber des Jobcenters zurück. Der Erfolg stellte sich bald ein, denn die Vandalismusschäden auf dem Hase-friedhof und auf dem Johannisfriedhof sind seither signifikant zurückgegangen, wie der Projektleiter „Historisches Bewahren“, Rainer Hafke, berichtet. „Sie sorgen für eine Belebung des Friedhofs und schrecken Diebe mit ihren orangefarbenen Jacken ab“, erklärt Hafke. „Sie sind allerdings keine Konkurrenz für das Handwerk, sondern machen lediglich die zusätzliche und ergänzende Arbeit, die wir sonst nicht leisten könnten.“

18 Fenster gehen zu Bruch

Dazu gehört zum Beispiel, dass sie einen Regenunterstand wieder herrichten, der vorher als Lager diente und völlig heruntergekommen war. Die Ein-Euro-Jobber Dieter Woycichowski und Stefan Boas ersetzten die 18 Fensterscheiben, die Vandalen über die Jahre eingeschmissen hatten, entfernten Graffiti von den Außenwänden, strichen den Innenraum und lackierten die Eingangstür neu. Stefan Boas war ein Jahr lang arbeitslos, bevor er vor vier Monaten als Ein-Euro-Jobber anfing. Er guckt sich den fast fertigen Regenunterstand an und sagt stolz: „Man sieht die Fortschritte und kann jetzt sagen: Ich habe daran mitgewirkt.“ Es gibt ihm Selbstbewusstsein, Gutes zu tun, Grabschänder fernzuhalten und Zerstörtes wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Über den Zwischenschritt der Eingliederungsmaßnahme, die nach Angaben des Job-Centers eine Vermittlungsquote von 40 Prozent hat, wollen auch der 46-jährige Boas und der 56-jährige Woycichowski bald wieder eine Anstellung finden.

Schäden wie offenbar mit Steinen zerstörte Grabplatten auf dem Hasefriedhof dürfen die Ein-Euro-Jobber jedoch nicht beheben. „Dafür müssten die Angehörigen schon selbst sorgen, wenn die Grabrechte noch vorhanden sind“, sagt Hafke. Die Grabrechte für die Familie bestehen für 20 Jahre. Da 1995 die letzten Bestattungen auf den historischen Friedhöfen stattgefunden haben, laufen die letzten Verträge 2015 aus. Wenn sie schon vorher ausgelaufen sind, dann müsste die Stadt dafür aufkommen oder die Restaurierung müsste über private Spenden finanziert werden.

Ein typischer Fall war die Beseitigung des Vandalismusschadens am Grab des  Osnabrückers Ludwig Windt horst. Grabschänder hatten den mehr als eine halbe Tonne schweren Grabstein umgestoßen. Dabei war auch
das Grabkreuz zerbrochen. Daraufhin hatte sich die Stiftung Osnabrücker Club bereit erklärt, die Kosten von knapp 900 Euro zu übernehmen. Das lag nahe, denn Windthorst war zur Zeit des Reichskanzlers Bismarck Oppositionsführer im Deutschen Reich und eines der prominentesten Mitglieder der ersten Generation des Osnabrücker Clubs.

In anderen Fällen wie vor Kurzem bei der Beseitigung von Graffiti-Schäden auf dem Johannisfriedhof übernahm die Treuhandstiftung „Historisches Bewahren“ die 3000 Euro teure Entfernung der Schmierereien auf Grabsteinen, Mauern und einem ehemaligen Verwaltergebäude. Hafke betont: „Wir sind auf solche Spenden angewiesen.“

Quelle:
Neue Osnabrücker Zeitung Ausgabe West
Ausgabe vom 21. November 2013
Seite 17
Ressort Lokales

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