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Seit zehn Monaten am Fürstenauer Weg – Bürgerverein: Befürchtungen nicht eingetroffen

Alles unter Kontrolle: Uwe Fieselmann (links) und Heiner Koch erklären OB Wolfgang Griesert das System in der neuen Umschlaghalle von Koch International am Fürstenauer Weg. Im Hintergrund Felix Bücken von der Wirtschaftsförderung (WFO), rechts Michael Klesse vom Jobcenter. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück . Wer schon einmal umgezogen ist, kennt das: Es dauert einige Zeit, bis alle Umzugskartons ausgepackt und alle Bilder an der richtigen Stelle hängen. Die Spedition Koch International hat sich zehn Monate nach dem Umzug am Fürstenauer Weg eingelebt, die Prozesse optimiert und mit den Nachbarn offenbar Frieden gefunden.

Mit diesem Eindruck beendete jedenfalls Oberbürgermeister Wolfgang Griesert einen mehrstündigen Firmenbesuch. Griesert hatte in seiner Funktion als Stadtbaurat die Ansiedlung des Logistikunternehmens in dem neuen Gewerbegebiet am Fürstenauer Weg mit vorbereitet. Als Koch International im Juli vergangenen Jahres die Firmenzentrale und die 220 mal 55 Meter große Umschlaghalle in Betrieb nahm, war Griesert nicht mehr Stadtbaurat und noch nicht Oberbürgermeister - und deshalb nicht Gast der Eröffnungszeremonie. "Das hole ich jetzt nach", sagte der OB.

Die Ansiedlung der Spedition war nicht geräuschlos verlaufen. Nachdem Koch mit dem Versuch gescheitert war, zusammen mit dem Wintergarten-Hersteller Solarlux in Natbergen eine Zentrale zu bauen, gelang es dem damaligen Oberbürgermeister Boris Pistorius, die Koch-Spitze vom Hafen-Standort zu überzeugen. In der Haster Nachbarschaft kamen die Pläne nicht gut an. Ängste wurden laut, bis zu 700 Lkw-Fahrten am Tag würden die Ruhe stören. Ohnehin sei der Stadtteil schon sehr belastet. Während einer Sitzung des Bürgervereins Haste eskalierte der Debatte, Vergleiche mit "Stuttgart 21" wurden gezogen, und "Wutbürger", die sich selbst so nannten, kündigten ihren Protest an.

"Das hat sich nach meiner Beobachtung dramatisch beruhigt", sagte Griesert im Gespräch mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Heiner Koch und Geschäftsführer Uwe Fieselmann. Die befürchteten Staus am Morgen seien ausgeblieben, und die zusätzliche Lkw-Belastung sei kaum wahrnehmbar, so Griesert. Eine Einschätzung, die Koch und Fieselmann uneingeschränkt teilen. "Wir haben hier eine neue Heimat gefunden und sind froh über die Entscheidung", sagte Heiner Koch. Die Geschäftsführung stehe in einem "angenehmen Dialog" mit den Nachbarn, wie sich beim Besuch des Bürgervereins gezeigt habe.

Der Vorsitzende des Bürgervereins Haste, Erhard Fricke, bestätigt das auf Nachfrage: "Was am Anfang befürchtet wurde, ist nicht eingetreten." Auch die Sorge, die Höhe der Gebäude würde das Landschaftsbild beeinträchtigen, habe sich in Luft aufgelöst. Nach dem ersten Besuch des Bürgervereins im Dezember seien viele Haster von dem Unternehmen "positiv überrascht" gewesen. Das Interesse sei so groß, dass demnächst ein zweiter Besuch folgen soll.

Einer bleibt aber skeptisch: Nachbar Ralph Helmers, der mit seiner Maschinenbaufirma als erster in das neue Gewerbegebiet gezogen war und im Obergeschoss eine Wohnung eingerichtet hat, empfindet den Lkw-Verkehr weiterhin als Belästigung, wie er auf Nachfrage sagt. Sein Ärger richtet sich aber nicht gegen Koch, sondern gegen die Stadt, die ihn über die Ansiedlung der Spedition zu spät in Kenntnis gesetzt habe. Helmers hält an seiner Klage gegen den Bebauungsplan fest. Das Urteil in der Hauptsache steht noch aus. Helmers' Versuche, den Koch-Bau gerichtlich stoppen zu lassen, waren gescheitert.

Ursprünglich hatte Koch mit etwa 700 Lkw-Fahrten täglich kalkuliert, tatsächlich sind es nach Unternehmensangaben 550 bis 590. Der Grund: 40 Lastwagen sind weiterhin in Atter stationiert. 3500 bis 4000 Lieferungen wickelt der Logistiker täglich in der Umschlaghalle ab. Die Kunden sind zumeist Mittelständler aus der Region, die die Lagerhaltung und den Transport Koch überlassen.

Entlastungsstraße

Gartenstühle, Sofas, Reifen, Boxen mit Flüssigkeiten - die Förderkette in der 220 Meter langen Halle bringt in einer endlos erscheinenden Schlange die Stückgüter zu den Verladeterminals. Alle Prozesse sind digital nachvollziehbar, sodass der Kunde immer weiß, wo sich seine Ware gerade befindet. "Natürlich hat es am Anfang Anlaufschwierigkeiten gegeben", sagte Uwe Fieselmann. Aber seit Oktober liefen die Prozesse "absolut stabil". Die Fehlerquote habe im Vergleich zu der Zeit vor dem Umzug um 10 bis 15 Prozent gesenkt werden können. Sie liege jetzt "deutlich unter ein Prozent". Das Ziel sei klar: "Wir wollen null Fehler - und das jeden Tag.

"Die geplante Entlastungsstraße West/Westumgehung hat für die Spedition "keine Bedeutung", wie Firmenchef Heiner Koch sagte. Die Lkw-Fahrer nutzen nach seinen Angaben die direkten Wege zur Autobahn über die B 68 zur A1-Anschlussstelle Nord oder über die Wersener Straße zur Auffahrt Hafen. Wichtiger sei der Lückenschluss der A 33-Nord.

Quelle:
Neue Osnabrücker Zeitung Ausgabe West
Ausgabe vom 25. April 2014
Seite 19
Ressort Lokales

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