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Förderzentrum Schinkelstraße für Hartz-IV-Empfänger geht an den Start

 

Den Grundstein für das neue Förderzentrum an der Schinkelstraße 37 legten (von links) Manfred Jansen (Dekra), Michael Klesse (Jobcenter), Sven Ruschhaupt (Handwerkskammer), Günter Siebels (Jobcenter), Matthias Glasmeyer (Akademie Überlingen) und Reimund Beer (BTZ). Foto: Joachim Dierks

jod Osnabrück. Einerseits sucht die boomende Wirtschaft händeringend Arbeitskräfte, andererseits gibt es immer noch sehr viele arbeitsfähige Menschen, die keinen Zugang zum Arbeitsmarkt gefunden haben und von staatlichen Transferleistungen leben. Wie kann das sein? Wie lassen sich Nachfrage und Angebot besser miteinander verknüpfen? Bisherige Maßnahmen des Jobcenters Osnabrück hatten oft nicht den gewünschten Erfolg. Mit dem "Förderzentrum" soll nun ein neuer Weg beschritten werden.
In der früheren Lehrwerkstatt der Bahn an der Schinkelstraße 37 ist seit einigen Jahren eine Außenstelle des Berufsbildungs- und Technologiezentrums (BTZ) der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim (HWK) etabliert. An diesem Ort soll das neue Förderzentrum zum 1. September 2015 die Arbeit aufnehmen. Initiator ist das Jobcenter Osnabrück, das als gemeinsame Einrichtung der Stadt Osnabrück und der Agentur für Arbeit rund 7000 Arbeitslosengeld-II-Empfänger und ihre Familien betreut.Im Ringen um mehr Praxisnähe hat sich das Jobcenter drei bewährte Bildungsträger, wie Geschäftsführer Michael Klesse sie bezeichnete, mit ins Boot geholt: die HWK, die Akademie Überlingen und die Dekra-Akademie. Ausbilder, Job-Coaches und Sozialpädagogen aller drei Einrichtungen sowie ein fest abgestellter Mitarbeiter des Jobcenters werden, unter einem Dach konzentriert, alles daransetzen, 120 Erwerbslose des ersten Lehrgangs in sechs Monaten fit zu machen für den Arbeitsmarkt. Berufsfelder, in denen eine Ausbildung vorbereitet wird, sind Metall, Farbe, Holz, Lager/Logistik, Gartenbau, Verkauf/Callcenter, Hauswirtschaft/Textil/Reinigung/Hotellerie und Gaststätten.

Kompetenzen gebündelt

BTZ-Geschäftsführer Raimund Beer nannte als Riesenvorteil des neuen Konzepts, dass die Bündelung von Kompetenzen und Zuständigkeiten an einem Ort eine sehr individuelle Förderung ermögliche. Bei bisherigen "Maßnahmen" seien die Teilnehmer oft über einen Kamm geschoren worden. "Aber nicht jeder hat ein Problem damit, morgens nicht hochzukommen, und nicht jeder braucht ein Bewerbungstraining. Wir werden hier maßgeschneidert arbeiten", sagte Beer, "und engpassorientiert: Bei jedem Teilnehmer wird individuell geschaut, woran es liegt, dass er bislang keinen Job gefunden hat.

"Wenn ein Teilnehmer nach ein paar Wochen merke, dass ihm die Holzbearbeitung nicht liege, könne er in kürzester Frist zum Staplerfahrer umsatteln, ohne erst mehrere Gänge zu den "Ämtern" unternehmen zu müssen, wobei auch schnell mal einer abhandenkommen könne, so Beer. Darin liege der große Vorteil der "Einhäusigkeit". Jobcenter-Bereichsleiter Günter Siebels lobte die Nähe zur "echten" Berufswelt durch die Ausbildung in unternehmensnahen Fachwerkstätten: "Hier wird nicht gespielt und so getan als ob, sondern unter Echtbedingungen gearbeitet." Michael Klesse beschrieb diesen Aspekt mit den Worten: "Wir produzieren Stallgeruch, so wie es die Firmen schätzen. Damit schaffen wir eine stabile Brücke in den Arbeitsmarkt."

Quelle:
Bersenbrücker Kreisblatt
Ausgabe vom 29. Mai 2015
Seite 9
Ressort Osnabrücker Land

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