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Werkakademie stärkt Arbeitsuchende

Neues Angebot mit hoher Vermittlungsquote

Statt im stillen Kämmerlein Bewerbungen zu schreiben, überlegen die Teilnehmer der Werkakademie gemeinsam, wie sie eine neue Arbeit finden. Foto: Colourbox

Osnabrück. Der eine Teilnehmer ist wunschlos glücklich. Eine andere ist nach anfänglicher Skepsis begeistert. Ein Dritter wünscht sich eine Woche Verlängerung: Die Rede ist nicht von einem Urlaubscamp, sondern von der Werkakademie für Arbeitslose.

Seit Dezember macht das Jobcenter Osnabrück Kunden, die einen Antrag auf Arbeitslosengeld II stellen, das Angebot, an der Werkakademie teilzunehmen. Ziel ist es, möglichst schnell den Weg aus der Arbeitslosigkeit zu finden. Dabei stehen eigenverantwortliches Handeln und gegenseitiges Helfen im Mittelpunkt. Die Gruppen von maximal 20 Teilnehmern werden von den Trainern Gero Kümpers, Kirsten Liebchen und Katharina Mierke unterstützt. Auch der kurze Draht zu allen Einrichtungen des Jobcenters spielt für die Arbeit in der Werkakademie eine große Rolle.

Dreimal wöchentlich je drei Stunden treffen sich die Teilnehmer, um gemeinsam Bewerbungsunterlagen zu erarbeiten und sich auf Vorstellungsgespräche vorzubereiten. Die Trainer seien jederzeit ansprechbar, sagte Kümpers bei der Vorstellung des Programms. Gleichwertig sei jedoch der Austausch in der Gruppe. "Vorschläge von anderen Teilnehmern werden leichter angenommen", stellte er fest.

Die Gruppe biete auch Sicherheit. "Man ist hier nicht wie zu Hause allein", meint eine Teilnehmerin. Ihre Bewerbungen könne sie jederzeit mit jemandem besprechen. Das Gefühl, gemeinsam mehr zu können, entsteht, obwohl die Teilnehmer sehr verschiedene Persönlichkeiten sind und sich die Gruppen immer wieder neu zusammensetzen.

Das liegt daran, dass die Arbeitsuchenden unter sechs Terminen in der Woche auswählen können. Diese Flexibilität schätzen die Teilnehmer sehr. Voraussetzung ist nur, dass sie wöchentlich an drei und insgesamt an 24 Treffen teilnehmen - wer in Arbeit vermittelt wird, macht sofort dem Nächsten Platz.

"Drei bis vier Wochen Wartezeit müssen unsere Kunden für die Werkakademie einplanen", sagt Jobcenter-Geschäftsführer Michael Klesse. Dafür sei das Modell, das aus den USA stammt und sich nun auch in Deutschland verbreitet, sehr erfolgreich. Von den 87 Teilnehmern, die seit dem Start die Werkakademie durchlaufen hätten, sei mit 43 die Hälfte in Arbeit vermittelt worden.

"Wir wollen unsere Kunden neugierig machen und sie ermuntern, neue Wege zu gehen", beschreiben Kirsten Liebchen und Katharina Mierke eine ihrer Aufgaben. Das bedeute, bei der Suche nach dem Traumjob einen Plan B im Kopf zu haben, der leichter zu realisieren ist. Deshalb müsse der Traumjob nicht aufgegeben werden: "Manchmal ist es leichter, sich aus einer Anstellung statt aus der Arbeitslosigkeit heraus zu bewerben."

Auch Alternativen werden in der Gruppe gesucht. Alle überlegen gemeinsam, welche Stärken der Einzelne in welche Berufe einbringen kann. Wie im Fall der jungen Frau aus Russland. Nach einem Lehramtsstudium in der alten Heimat war sie eigentlich auf der Suche nach einem Bürojob. Ihr Plan B könnte aber auch ein weiteres Studium sein.

Der kurze Draht zum Jobcenter kann ganz praktische Vorteile haben: Der Elektroniker hat für ein spontanes Vorstellungsgespräch am nächsten Tag seine Reisekostengenehmigung kurz nach dem Telefonat mit dem Arbeitgeber in der Tasche.

Quelle:
Neue Osnabrücker Zeitung
Ausgabe West
Ausgabe vom 24. Mai 2013
Seite 20
Ressort Lokales

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