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Anleiter: „Arbeitgeber gehen ein und aus“

Sie setzen große Hoffnungen in das neue Förderzentrum des Jobcenters (v. l. n. r.): Michael Klesse, Jobcenter, Reimund Beer, Handwerkskammer, Dieter Rülander, Akademie Überlingen, Markus Delfmann, Dekra-Akademie, sprachen mit den beiden Teilnehmern Melanie Haack und Wolfgang Spiering über ihre Arbeit im Förderzentrum. Foto: Egmont Seiler

rbru Osnabrück. Im September ist das Förderzentrum des Jobcenters Osnabrück in der früheren Lehrwerkstatt der Bahn an der Schinkelstraße 37 eröffnet worden. Seitdem können sich dort Erwerbslose unter professioneller Anleitung in verschiedenen "Gewerken" ausprobieren. Ziel dieser praxisorientierten Maßnahme ist es, die Teilnehmer fit zu machen für den ersten Arbeitsmarkt und ihnen Selbstbewusstsein mitzugeben.

In den Hallen auf dem weitläufigen Werksgelände an der Schinkelstraße herrscht unter der Woche geschäftiges Treiben ganz wie auf einer echten Baustelle: In einem Raum werden Fensterrahmen abgeschliffen, im nächsten Fliesen verlegt, und nebenan streicht jemand eine Holzverkleidung.

Metall, Farbe, Holz, Lager/Logistik, Gartenbau, Verkauf/Callcenter, Hauswirtschaft/Textil/Reinigung/Hotellerie und Gaststätten lauten die Überschriften der Berufsfelder, in denen die Projektteilnehmer Erfahrungen sammeln können. "Jedem steht es frei, auch jederzeit zu wechseln, wenn er feststellt, dass ein Job nichts für ihn ist", erklärt Kai Töbelmann vom Jobcenter, der die Teilnehmer direkt vor Ort betreut.

Der entscheidende Vorteil des Förderzentrums sei es, dass die Erwerbslosen ganz individuell gefördert würden, denn jeder bringe andere Vorkenntnisse und Vermittlungshemmnisse mit. Für Teilnehmer mit mangelnden Sprachkenntnissen gebe es beispielsweise Deutschkurse, für Alleinerziehende flexible Teilzeitangebote.

"Wir verfolgen mit diesem Projekt einen ganzheitlichen Ansatz", erklärt Jobcenter-Geschäftsführer Michael Klesse. Im Fokus stehe nicht nur die Vermittlung in Arbeit, sondern der Blick auf den ganzen Menschen. "Einige der Teilnehmer haben gesundheitliche Probleme, andere haben keine Wohnung oder einen Berg Schulden. Die haben gar nicht den Kopf dafür frei, auf Jobsuche zu gehen." Direkt vor Ort gibt es neben sieben Fachanleitern für bestimmte Berufe deshalb auch vier Sozialpädagogen und zwei Jobcoaches, die die Teilnehmer, darunter 16 Flüchtlinge aus Eritrea, betreuen. 121 Plätze bietet das Förderzentrum insgesamt.

Neben den Arbeitsplätzen in den Werkstätten gibt es direkt im Förderzentrum auch Sportangebote wie Rückengymnastik, Yoga und Thai-Chi, Bewerbungstrainings und Stressbewältigungskurse, Kreativ-Workshops wie Podcasts aufnehmen und Töpfern sowie Ernährungs- und Gesundheitsberatung. Dadurch sollen die Langzeitarbeitslosen wieder Selbstvertrauen aufbauen und zu positivem Denken angeregt werden.

"Die Arbeitgeber gehen bei uns ein und aus", berichtete Fachanleiter Klaus-Dieter Niepel, der die Teilnehmer im Bereich Metallbau unterrichtet. Viele schauen sich direkt vor Ort an, wer sich bei der Arbeit besonders gut anstellt. "Wir tun nicht nur so, wir arbeiten hier unter echten Bedingungen, sodass potenzielle Arbeitgeber auch gern hierher kommen.

"Schon 16 Teilnehmer des Projekts konnten seit dem Start erfolgreich in Arbeit vermittelt werden. "Wenn das so weitergeht, ist diese Maßnahme ein voller Erfolg", betont Michael Klesse. Die Akademie Überlingen, die Dekra-Akademie und die Handwerkskammer Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim sind gemeinsam Träger des Förderzentrums, das auf zunächst drei Jahre angelegt ist.

Quelle:
NOZ Bad Rothenfelde
Ausgabe vom 11. Januar 2016
Seite 32
Ressort Osnabrücker Land

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