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Wie kommt die Pommes auf den Teller?

Kartoffelprojekt des Kinderbauernhofes Burenkamp - Natur mit allen Sinnen erleben

Kartoffelprojekt des Kinderbauernhofes Burenkamp – Natur mit allen
Sinnen erleben

Wie die Kartoffel in die Erde gesetzt werden muss - mit den Augen nach oben - erklärt Carla Tank vom Verein Weidelandschaften dem siebenjährigen Emil. Seine Klassenkameraden buddeln noch Löcher. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Mit der Schaufel buddelt Meryem ein zehn Zentimeter tiefes Loch in die Erde. Dann setzt die Neunjährige eine Kartoffel hinein und bedeckt sie mit Erde. Ihre Klassenkameraden tun es ihr nach. Beim neuen Kartoffelprojekt des Vereins Weidelandschaften lernen Kinder auf dem Kinderbauernhof Burenkamp, was für ein langwieriger Prozess dahintersteckt, bis die Pommes frites oder die Folienkartoffel auf dem Teller landen.

"Wir wollen Kindern aus der Stadt ermöglichen, landwirtschaftliche Erfahrungen zu sammeln", sagte Jan-Philip Kunath vom Verein Weidelandschaften. Seit seiner Gründung im Jahr 2005 beweidet der Verein Naturschutzflächen für die Stadt. Mittlerweile hat er etwa sieben Hektar Feld gepachtet. Seit vier Jahren können Kinder am Burenkamp Schafe, Rinder und Geflügel beobachten. Jetzt wurde das Kartoffelfeld eröffnet.

Der Verein hatte Grundschulen und Kindergärten angeschrieben und seine Idee vorgestellt. Die ausgewählten Einrichtungen konnten zwischen verschiedenen Vorschlägen im Gartenoder Ackerbau wählen. Alle angeschriebenen Institutionen zeigten sich begeistert und entschieden sich einstimmig für das Kartoffelprojekt. "Die Resonanz zeigt, dass der Bedarf da ist", sagte Kunath, der mit der Wahl des Projektes sehr zufrieden ist. "Der Kartoffelanbau ist relativ unkompliziert, und man hat was zum Ernten, das hier vor Ort verspeist werden kann."

Finanziell wird das zunächst auf zwei Jahre befristete Projekt mit rund 14 000 Euro von der "Friedel & Gisela Bohnenkamp"-Stiftung unterstützt. Da die Stiftung der Landwirtschaft nahe stehe, passe das Projekt wunderbar, wie der Geschäftsführer der Stiftung, Michael Prior, erklärte. "Wir sehen es als unsere Aufgabe, Kinder daran heranzuführen, was es heißt, ein Feld zu bestellen", sagte er. Der Nachwuchs könne dabei mit allen Sinnen lernen. "Hier passiert Lernen mit Engagement. Sie übernehmen Verantwortung", erklärte Prior.

Genau das haben Schüler der zweiten Klassen der Rosenplatzschule am Montag getan, als sie ihre Kartoffeln in die Erde gesetzt haben. Jedes Kind durfte seine eigene Knolle in einen entsprechenden Abschnitt pflanzen. Bei Emil (7) klappte das schon ganz gut. "Wir haben zu Hause keinen Garten. Aber mir macht das hier Spaß", sagte er. Die achtjährige Hilal freute sich beim Pflanzen bereits aufs Ernten.

Die beiden Schüler gehören zu den rund 400 Kindergartenkindern und Grundschülern, die bei dem Projekt mitmachen. An drei Terminen tauschen sie ihren Tornister gegen Gummistiefel und Schaufel. Einmal kommen sie zum Pflanzen an den Burenkamp, das nächste Mal zum Hacken und Anhäufeln sowie um das Unkraut zu entfernen. Im Herbst können sie ihre Kartoffeln dann ernten. Die Arbeit, die in der Zwischenzeit anfällt, übernehmen elf Langzeitarbeitslose, deren Einsatz das Jobcenter Osnabrück finanziert. "Hier in der Natur können sie lernen, Verantwortung zu übernehmen", sagte Harald Wachauer vom Jobcenter. Das Kartoffelprojekt sei eine wunderbare Anreichung.

Die Langzeitarbeitslosen, die bei dem Projekt mithelfen, haben für die Kinder die Felder vorbereitet und Schnüre gezogen, an denen entlang sie die Kartoffeln einpflanzen können. Jede Klasse bekommt ihre eigene Reihe. Auf diese Weise können die Kinder genau beobachten, was aus ihren Kartoffeln wird. Davon ist auch Tim Klostermann, Fachkonferenzleiter Sachunterricht der Elisabeth-Siegel-Schule, begeistert. "Die Kinder können hier arbeiten. Sie bekommen Werkzeug in die Hand, können die Erde riechen und fühlen", sagte er. Im Unterricht wird das Projekt fächerübergreifend vor- und nachbereitet.

Jan-Philip Kunath vom Verein Weidelandschaften kann sich vorstellen, noch weit mehr am Burenkamp anzubieten. "Wir wollen ein bisschen in Richtung Kinderbauernhof gehen. Im Bereich Landwirtschaft und Naturerfahrung kann man hier sehr viel machen", erklärte er.

Quelle:
Neue Osnabrücker Zeitung
Ausgabe West
Ausgabe vom 15. Mai 2013
Seite 19
Ressort Lokales

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